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Alpenverein Trier


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Tourenberichte

 

Hochstubai 2013

Bergwoche von Robert, Marina, Werner, Florian und dem Verfasser zu früher Sommerzeit.  Nach nächtlicher Fahrt und  (dank Materialaufzuges) entspanntem Hüttenaufstieg traf man sich am frühen Nachmittag auf der Sulzenauhütte. Robert und Tochter Marina hatten schon einen Tag Vorsprung. Marina war das erste Mal dabei, Florian durfte sich im vergangenen Jahr schon am Gran Paradiso bewähren.

Unsere Eingehtour führte uns am noch teilweise gefrorenen Grünsee vorbei, über Schneefelder und in engen Serpentinen hoch auf die Mair-Spitze, mit ihren 2775 m ein exzellenter  Aussichtsberg auf die kommenden Ziele. Der Blick in die Runde wähnte uns oberhalb der 2.800 m Marke eher im Winter, der heuer sehr lange dauerte und noch vor einer Woche hatte es 20 cm Neuschnee bis unter 2.000m gegeben.  Eile tat keine Not, so dass wir uns bei herrlichstem Wetter reichlich Zeit ließen, den steilen und durch das viele Blockwerk recht unangenehmen Abstieg zur Nürnberger Hütte zu beginnen.  Es war Samstag und die Hütte wegen der guten Wetterprognose entsprechend voll. Wir hatten unser Zimmer reserviert, wurden am Abend ob des Gedränges aber noch „aufgefüllt“. Zum Abendessen gab es ein zünftiges Schweinegulasch mit reichlich Beilagen und Salat vom Büfett.  Dieser stand dem Gulasch auf der Sulzenau am Abend zuvor in nichts nach. Es ging beizeiten in die Betten. Im Gastraum spielte die Hausmusik, unter anderem mit einer ausgewachsenen Harfe im Ensemble.

 

Abmarsch um 6.30 Uhr am Sonntag.  Unter der Urfallspitze hindurch über viele steile Schneerinnen zur Seescharte und weiter über den Grüblferner nahe an den Signalgipfel heran und über den überwechteten Südostgrat auf den Wilden Freiger 3.418 m.  Nach angemessener Rast auf engem Gipfel ging es zurück über den Schneegrat zum Signalgipfel und von dort den teils versicherten steilen, felsigen Südgrat hinunter, kurz auf den Gletscher und an geeigneter Stelle über einen noch vereisten Schrund an die Felsen des Becher und kurz wenige Meter schwer hinauf. Dann aber von dort über den gepflasterten „Sissisteig“ hinauf auf die Hütte, das Becher-Haus auf  3.199 m. Hüttenwirt Günter wartete schon auf seiner von der Sonne reichlich beschienenen  aussichtsreichen Terrasse. Es  gab Grappa zur Begrüßung; es war nichts los auf der Hütte und er erwartete auch nicht mehr viel. Zu guter Letzt waren wir am Abend aber doch 12  Personen. Zur Überraschung aller gab es zur Halbpension  „Schweinefleisch in Würfel geschnitten“  mit reichlich schmackhafter Soße und Speckknödel.

 

In der Früh saßen wir um 6.00 beim Frühstück und um 6.30 waren wir in der Spur, den Übeltalferner zu queren. Unterhalb der Müllerhütte vorbei und an den  felsigen anspruchsvoll anstrengenden Ostgrat des Wilden Pfaff, zum Ende hin mit einigen Eisenstiften in glatten Platten entschärft, gelangten wir aufs Gipfelplateau und ans Alukreuz auf 3458 m. In Anbetracht der steigenden Temperaturen ging es bald die vergletscherte Nordwestflanke hinunter in den Pfaffensattel und von dort nach kurzem Verschnaufer und Deponierung der Rucksäcke durch die überraschenderweise schon blanken Felsen des Ostgrates in leichter Kletterei auf das Zückerhütl, mit 3.505 m der höchste Gipfel der Stubaier Alpen.  Zurück im Sattel lag zunächst die Querung des Sulzenauferners vor uns bis hin zum Pfaffenjoch und dann ging es den Pfaffenferner hinunter durch immer tiefer werdenden Sulz und durch reichlich Schnee zur Hildesheimer Hütte auf 2900 m. Auch Gustl saß mit seiner Mannschaft auf der Terrasse, auch hier gab es noch nicht viel zu tun. Ob wir Halbpension nehmen, wollte er schon mal wissen.  Nach unserer Frage, was es denn geben solle, brauchte es nur drei Worte und wir waren im Bilde: „Es gibt Gulasch“. Das Essen war gut, reichlich und sehr schmackhaft,  wie nicht anders bei Gustl zu erwarten.  Auch auf der Hildesheimer hatte sich gegen Abend die Hütte doch noch reichlich gefüllt.

Gefrühstückt wurde wiederum um 6.00 Uhr und alsbald war Abmarsch über den neu angelegten Weg hoch zum Geiskarferner und in den Sattel zum Windacher Ferner. Am Bildstöckljoch vorbei, unterhalb der Stubaier Wildspitze und den Windacher Daunkögel den ganzen Warenkarferner querend und zuletzt in steiler Schneeflanke  im Zickzack in die Warenkarscharte auf 3.187 m. Im oberen schon seit dem Morgen von der Sonne beschienenen Teil der Flanke war die Spurarbeit  sehr anstrengend und schweißtreibend. Die Rast in der Scharte daher mehr als verdient. Ohne Rucksack ging es nun über den Südgrat noch schnell und kurzweilig in leichter Kletterei auf den Windacher Daunkogel 3357 m. Kurze Rast am altersschwachen Gipfelkreuz und auf gleichem Weg zurück zu den Rucksäcken und in weitem Bogen über den Wütenkarferner auf die Hochstubaihütte, mit 3175 m eine der höchsten in Österreich. Die Hütte war noch bis an die Stufen zur Terrasse und zum Hütteneingang zugeschneit. Die Sonne brannte bei wolkenlosem Himmel und wir ließen uns auf der Terrasse nieder. Die Getränke wurden in Absprache gleich durchs Küchenfenster gereicht, so umging Frau Wirtin den wackeligen  Gang durch den sulzigen Schnee. „Wenn Halbpension gewünscht, gäbe es ein herzhaftes Gulasch“  und unsere unüberhörbare Lachsalve verstand die nette Wirtin nach der Schilderung unseres Wochenspeiseplanes durchaus und sie bot sogleich an, etwas anderes aufzutischen, was wir natürlich ablehnten, weil sonst der Vergleich der Abendessen erschwert würde. Es war ein schöner kurzweiliger Hüttenabend aber ausgeschlafen um 6:00 Uhr gab es ein reichhaltiges Frühstück. Alsbald ging es in weitem Bogen auf hartem Firn über den Wütenkarferner diesmal in die Wütenkarscharte.  Der  erste felsige, steile Teil der Scharte war schnell überwunden, dann ging es an einem Gletschersee vorbei nur leicht steigend in die eigentliche Scharte. Dem steilen Abstieg  folgte die vollständige Querung des Sulztalferners bis unter das Daunjoch. Hier die gut 50° steile Firn- und brüchige Felsrinne hinauf zum fotogenen noch eisgefüllten Gletscherauge im Daunjoch, vis-a-vis  der Wilden Leck. Und hier trat das Malheur mit Roberts Bergschuhen voll zu Tage.  Die Gummisohle eines Schuhes hatte sich gelöst. Mit mehreren Lagen meines Tapebandes wurden Schuh und Sohle bandagiert und weiter ging es den steilen, tief sulzigen Seitenarm des Daunkogelferners hinunter und durch das Stubaier-Gletscher-Skigebiet  ohne besondere Vorkommnisse auf die Dresdner Hütte.

Die noch angedachte Habichtbesteigung musste ob des maroden Materials entfallen. So blieb noch ein Abschluss in Neustift und die Heimfahrt am nächsten Tag.

Resümee: Eine wunderbare Bergwoche mit etwas einseitigen, aber nichtsdestotrotz schmackhaften Hauptgängen.

 

Richard Willems

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